
CD 2011
Missing Dog Head
“unigami”
Label: Delphy Records
“..das Wunderbare an den insgesamt vierzehn Stücken ist, dass sie niemals bereits nach den ersten Tönen ihre Geheimnisse preisgeben. Martin Philadelphy, Chris Janka und Gustavo Costa lassen jeden einzelnen Track wachsen. Ihr vielschichtiges und variables Spiel sorgt dafür, dass sich die Musik stetig bis zum finalen Höhepunkt verdichtet…Jazz, wie man ihn kennt, auf eine neue Ebene zu heben, auf eine die mit traditionellen Ansätzen nicht mehr viel gemein hat.” (03.2011 MT,Mica Austria)


Musiker:
Chris Janka / Bass Gitarre
Martin Philadelphy / Gitarre
Gustavo Costa / Schlagzeug
Helge Hinteregger / Kehlkopfmikrofon Nummer 8,9 und 14
LISTEN:
MDH-daito
MDH-ling
MDH-inugami
MDH-grrrog
MDH-ourmull
Rezensionen:
Missing Dog Head – Inugami
Jazz/ Improvisierte Musik
Der Gitarrist Martin Philadelphy ist im Moment wohl einer der umtriebigsten Musiker, die in Österreich am Werken sind. Wenige Wochen nach dem Erscheinen der gemeinsam mit Wolfgang Mitterer und Josef Klammer eingespielten CD „Playing # Badminton“, legt der gebürtige Tiroler, diesmal mit der Formation Missing Dog Head, mit „Inugami“(Delphy Rekords) eine weitere erstklassige Veröffentlichung vor. Entstanden ist die CD in Zusammenarbeit mit Chris Janka (Gitarre), Gustavo Costa (Schlagzeug). Ebenfalls bei manchen Tracks mit dabei ist der Vokalakrobat Helge Hinteregger. Was geboten wird, ist höchst erfrischend klingende und experimentelle Version von Jazz Rock, angesiedelt zwischen Komposition und Improvisation.
„Inugami“ ist ein Stück Musik geworden, das einmal mehr Martin Philadelphys fast unglaubliche Wandlungsfähigkeit als Künstler eindrucksvoll unter Beweis stellt. Es gibt hierzulande wohl nur wenige Musiker, die in der Lage sind, sich von Mal zu Mal immer wieder neu zu erfinden, die mit solch einer Leichtfüßigkeit zwischen den unterschiedlichen Genres und Spielformen hin und her tänzeln, wie es der gebürtige Tiroler tut. Egal, ob nun im Jazz, im experimentellen Rock und Pop oder in der Improvisation, Stilsicherheit und ein höchstes Maß an Musikverständnis sind die großen Stärken des Gitarristen. Und diese weiß Martin Philadelphy auch bei seinem Bandprojekt Missing Dog Head vortrefflich abzurufen.
Wiewohl man dazu sagen muss, dass es sich bei Missing Dog Head um kein Soloprojekt handelt, ganz im Gegenteil, mit dem gebürtigen Tiroler, Chris Janka und Gustavo Costa begegnen sich drei gleichberechtige Musiker auf Augenhöhe, die gleichermaßen Anteil am Entstehen des ungemein vielschichtigen Gesamtsounds haben. Wie Philadelphy fühlen sich auch seine Mitstreiter in verschiedenen musikalischen Kontexten beheimatet.
„Inugami“ ist ein Album, auf dem es eher zurückhaltend zur Sache geht. Richtig laut oder energetisch wird es nur in seltenen Momenten. Stilistisch wie musikalisch wird auf der CD auf jeden Fall ein weites Feld betreten. Jazz trifft Rock und Blues, Komposition auf Improvisation, Melodien auf aberwitzige Klangexperimente. Das Wunderbare an den insgesamt vierzehn Stücken ist, dass sie niemals bereits nach den ersten Tönen ihre Geheimnisse preisgeben. Martin Philadelphy, Chris Janka und Gustavo Costa lassen jeden einzelnen Track wachsen. Ihr vielschichtiges und variables Spiel sorgt dafür, dass sich die Musik stetig bis zum finalen Höhepunkt verdichtet. Zusätzlich Atmosphäre erzeugt Helge Hinteregger, der einige der Tracks mit seiner ungewöhnlichen Vokalkunst veredelt und damit für weitere spannende Momente sorgt.
Missing Dog Head versuchen den Jazz, wie man ihn kennt, auf eine neue Ebene zu heben, auf eine die, mit traditionellen Ansätzen nicht mehr viel gemein hat. Hier regiert vielmehr das Verständnis, dass stilistische Kategorisierungen längst nicht mehr greifen, das etwas Neues alleine dadurch entsteht, wenn man festgesetzte Grenzen überschreitet. Und genau das zelebrieren Martin Philadelphy, Chris Janka und Gustavo Costa auf „Inugami“. ( Mica, 02.2011, MT)
MISSING DOG HEAD
Inugami/ Delphy/ philadelphy.at/ rec: 10
Martin Philadelphy, Chris Janka (g), Gustavo Costa (dr); Gast: Helge Hinteregger (kehlkopf)
Nach einigen Platten mit viel zu viel Tönen pro Zeiteinheit besinnt sich der Tiroler Gitarrist Martin Philadelphy hier auf seine eigentlichen Qualitäten. Heraus kommt dabei schöner, langsam sich entwickelnder Impro-Blues im Zusammenspiel mit dem Stromruder-Instrumentalkollegen Chris Janka plus den markanten Drums von Gustavo Costa. Stellenweise gesellen sich durchaus passend die untergründigen Sounds aus Helge Hintereggers Kehlkopf dazu. Sämtliche Tracks auf „Inugami“ bewegen sich im unteren Tempobereich, der sich für Philadelpys Ambitionen als ideale Geschwindigkeit entpuppt. Publiziert auf seinem eigenen Delphy-Label, hören wir mit „Inugami“ Martin Philadelphys bislang wahrscheinlich beste, weil unaufgeregteste Platte. (Freistil. 06.2011, felix)
Missing Dog Head: Inugami
Im Trio Missing Dog Head ist Martin Philadelphy, der Tiroler Gitarristen-Weirdo mit Wahlheimat Wien, mit Instrumental-kollege Chris Janka und Gustavo Costa (dr) der lyrischen Seite des Noise-Rock auf der Spur. Nicht nach Verdichtung, sondern nach Entschleunigung strebt das Trio, hin zur frei improvisierten Geräuschballade, Wobei sich Bottleneck-Slides und andere sinnliche Blues- und Country-Anspielungen immer wieder wirkungsvoll mit den verzerrten, lärmig abstrahierten Klängen reiben. (Delphy Rekords) Andreas Felber, Falter, 09.2011)
MISSING DOG HEAD: INUGAMI (delphy) Gespenster- und Hexenmusik sagte mir eine, die es wissen sollte (meine Tochter), ich sage Barmusik dazu, und genau dort treiben sich derlei Gestalten ja auch bevorzugt herum. Was Martin Philadelphy, einer der interessantesten gegenwärtigen österreichischen Komponisten, Gitarristen und Songwriter, hier mit seinem Trio macht, grenzt jedenfalls ans Magische. Nach einer japanischen Legende, derzufolge das Abtrennen des Kopfes eines Hundes diesen zu einem Hundegott machen würde, versucht er hier mit zusätzlicher Gitarre plus drums plus den bisweiligen Vocals von Helge Hinteregger eine äußerst lässige Quadratur des bösartigen Jazz-Kreises. Um dem Erwartbaren des Unerwartbaren noch einmal mehr die Knochen zu brechen, werden die Fallgruben der genormt-amorphen Jazz ‘n Improv-Tradition mittels beseelter und ungemein dichter Reduktion großzügist überschritten und von hinten zugeschüttet. New soil and land, all in your hand.(by Terz)
